1. Kretscham
Der ehemalige Gutshof wurde von den Brüdern Preibisch gekauft und komplett umgebaut. Im Jahr 1904 entstand hier ein weitaus größeres Gebäude mit der ursprünglichen Hausnummer 1 – die eine Hälfte bestand aus Wohnungen für Fabrikarbeiter, in der anderen Hälfte wurde ein Saal mit reichhaltigen Stuckverzierungen eingerichtet, der dem örtlichen Turnverein geschenkt wurde. Unter dem früheren Regime wurde das Gebäude erheblich beschädigt, später jedoch von der Gemeinde aufwendig renoviert. Seit 2005 befindet sich hier ein Seniorenheim.

Foto aus dem Archiv von Rudi Jarisch – rechts das Gebäude vom Kretscham
Die Wiese vor dem Haus Nr. 1 wurde für die Übungen des Turnvereins genutzt. Am Festtag der Heiligen Anna, der Schutzpatronin der örtlichen Kirche, durften Karussells auf der Wiese nicht fehlen. Heute verdeckt das Gebäude der ehemaligen Genossenschaft, heute ein Geschäft, den Blick auf die Schule.
Interessantes:
Nach Erzählungen deutscher Einheimischer aus Dětřichov wurde der Saal mit seinen hohen Decken während des Zweiten Weltkriegs zum Trocknen und Reparieren von Fallschirmen genutzt.
Unter dem früheren Regime wurde die reichhaltige Stuckverzierung des Saals vollständig zerstört – auch die Einheimischen mussten sich an ihrer Entfernung beteiligen, oft buchstäblich mit Tränen in den Augen. Die Verzierungen galten damals offenbar als „bourgeoiser Überrest“. Anstelle von Wohnungen wurde in dem Gebäude ein Kino eingerichtet, das bei den Einheimischen sehr beliebt war.
In der Nähe des Gebäudes befindet sich noch heute ein kleiner Teich, der von üppiger Vegetation umgeben ist. Er gehörte einst zum Gasthaus und zugleich Metzgerei Jommrich, die auf dem Dorfplatz standen. Das Gebäude Nr. 1 verfügte über weitläufige Keller, sodass im Winter Eisstücke aus dem Teich geschnitten und in den großen Kellern gelagert wurden. Vor der Erfindung von Kühlschränken und Gefriertruhen wurden Lebensmittel und Fleisch auf diese Weise gelagert.


